Filmtagebuch: deBohli

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 14.03.2021, 09:44

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Krabi 2562
BD / Regie: Ben Rivers, Anocha Suwichakornpong
Was ist Dokumentation, was ist Fiktion? Auf welche Weise verändert die Präsenz von Kamera und Filmteam die Welt, beeinflusst die Wahrheit? Viele Filmemacher*innen der heutigen Zeit beschäftigen sich mit dieser, schier unlösbaren Fragenstellung – selten wurde es so undurchdringlich und facettenreich abgebildet, wie bei «Krabi 2562». Tourismus, Geister, Spiel, Vergangenheit, Spiegelung.
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Jesus Shows You The Way To The Highway
BD / Regie: Miguel Llansó
Es macht viel Sinn, sich mit diversen Untergrundkulturen der weltweiten Filmszene zu beschäftigen, bevor man sich an diese trashige Hommage wagt. Llansó kombiniert Schwingungen aus Afrika, Lateinamerika, Nordeuropa und Irrenhäusern zu einer abgedrehten Agenten-Story, hat diese ansprechend bebildert und weiss, wie popkulturelle Aspekte umgemünzt werden können. Anders ist «Jesus Shows You The Way To The Highway» auf jeden Fall.
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Raya And The Last Dragon
Streaming, Disney+ / Regie: Don Hall, Carlos López Estrada
Die Leute bei Disney wissen, wie Animationsfilme auszusehen haben. Wasser, Feuer, Fell, Figuren, Welten – alles ist wundervoll und beeindruckend (auch wenn die Drachengesichter an "My Little Pony" erinnern). Leider aber will sich die Erzählkunst nicht so schnell weiterentwickeln, wie die Rechenleistung der Computer. Klar, Prince Charming ist weg, die wichtigen Rollen mit Frauen besetzt, die Geschlechterrollen leicht verändert. Trotzdem bietet die Geschichte um Vergebung, Freundlichkeit und Drachen keine neuen Aspekte und spult alles nach Schema Maus ab.
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The Hunt
BD / Regie: Thomas Vinterberg
Da leider «Druk» immer noch nicht in den Kinosälen zu betrachten ist, bietet sich immerhin die Gelegenheit, Vinterbers ältere Arbeit mit Mads Mikkelsen zu geniessen. Wobei, die Geschichte um die scheinbare sexuelle Misshandlung eines Kindergartenlehrers an den Kindern extrem unangenehm ist. Nach anfänglicher Leichtigkeit wird der Film zu einem dichten Psycho-Drama, das die Begriffe der Wahrheit und Unschuld weit dehnt. Leider will das Ende zu erträglich sein und bringt das Gefüge etwas aus dem Gleichgewicht.
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Cinema Paradiso
DVD / Regie: Giuseppe Tornatore
Die wohl bekannteste Liebeserklärung an den Film und das Kino – bis heute emotional rührend und wunderbar gefilmt. Natürlich macht es nicht glücklicher, sich Tornatores Werk im Lockdown anzusehen, wohl aber zeugt die Arbeit von menschlicher Grösse und dem Vermögen, sich einfühlsam und gütig zu verhalten. Zeitlos die Montage der Kussszenen am Schluss, hach.
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Der goldene Handschuh
Streaming, Netflix / Regie: Fatih Akin
Das Buch habe ich vor einiger Zeit gelesen, somit wusste ich, was mich erwartet. Trotzdem ist Akins Version ein Schlag in die Magengrube, und ebendieser fühlte sich nach der Sichtung sehr flau an. Ekelerregende Bilder wechseln sich mit satirischen Passagen ab, krummer Humor trifft auf die dreckige und verlorene Welt des Alkoholismus. Unrund und gewisse Grenzen überschreitend, mir war es zu viel. Hut ab vor der Leistung von Jonas Dassler und Margarethe Tiesel, sie gaben eindeutig alles.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 21.03.2021, 10:07

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The Shallows
Streaming, Netflix / Regie: Jaume Collet-Serra
Zuerst ist alles sehr schön: Das Wetter, der Strand, Blake Lively (welche glaubwürdig spielt). Doch schon bald biegt der Film in spannungsgeladene und leicht blutige Bilder ab. Haifisch-Terror in packender Weise, wenn auch stark in Richtung Hochglanz gedrückt. Viele Aufnahmen wirkten sehr künstlich (sei es die extreme Farbgebung oder die mittelmässigen Computereffekte), die steten Einblendungen von Handyscreens und Digitaluhren wollten sich nicht so richtig ins Gesamtbild einfügen. Unterhaltsam ist der Film trotzdem, und natürlich ziemlich vorhersehbar.
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Die Schatzinsel
DVD / Regie: Hansjörg Thurn
Was man sich für die KCG (unsere frisch gegründete «Kinematografische Chaos-Gesellschaft») nicht alles anschaut. Wobei eigentlich das Pro-Sieben-Logo auf dem Cover eine genügend grosse Warnung hätte sein sollen. Trotzdem, wir hielten mehr oder weniger nüchtern und tapfer durch, die vollen drei Stunden. So verdient man sich den Schatz des Herzens (hallo Moral).
Die deutsche Adaption des bekannten Romans ist katastrophal – das Drehbuch zu Beginn schlecht, in der zweiten Hälfte inexistent, die Schauspieler*innen unpassend, die Kameraführung und der Schnitt wirr und unpräzise. Zu keiner Figur baut man eine Verbindung auf, das Geschehen verpufft ab der Mitte in unlogischem Chaos. Pirat sein war bestimmt nicht so cool, wie es uns viele Filme vormachen wollen, trotzdem wäre ich lieber Freibeuter als in dieser Produktion gefangen. Finger weg von dieser Verfilmung!
:liquid2:

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Berlin-Alexanderplatz
DVD / Regie: Phil Jutzi
Wenn Heinrich George in der Hauptrolle rumhantiert, dann beeindruckt das und es geht schon mal ein Glas zu Bruch. Die erste Verfilmung des Romans von Alfred Döblin ist zwar viel zu kurzgehalten, um das epische Buch gebürtig darstellen zu können (besonders gegen Ende wird sehr gehetzt agiert), überzeugt aber dank erwähnter Präsenz und den Bildern des Dreissigerjahre -Berlins. Mit dem Buch oder der fassbinderschen Version kann ich diese Produktion nicht vergleichen, bisherig habe ich nur die Neuinterpretation von Burhan Qurbani genossen.
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The Before Trilogy
BD / Regie: Richard Linklater
Die Liebe, welch ewig wirkende Kraft und Vorstellung. Im filmischen Schaffen der Neuzeit oft fern jeglicher Realität dargestellt, hat Linklater mit den Hauptdarsteller*innen July Delpy und Ethan Hawk eine Trilogie geschaffen, die sich so nahe an eine mögliche Wirklichkeit heranwagt, wie ich es zuvor noch nie vernommen habe.
Ein meisterhaftes Spiel mit langen Aufnahmen, improvisiert wirkenden Dialogen, kleinen Gesten und mimischen Veränderungen, sowie dem Ablauf der Zeit. Jeweils im Abstand von neun Jahren gedreht, sind die «Before»-Filme ein Abbild von Realzeit, ein Versuch, wirkliche Entwicklungen auf Celluloid zu bannen und das Langen nach Liebe und Zweisamkeit greifbar zu machen.
Das funktioniert berauschend gut, fiebert man bei «Before Sunrise» auf den ersten Kuss hin, verliert sich selbst in der spontanen Unendlichkeit und beginnt «Before Sunset» mit klopfenden Herzen. Aber ach, nach 80 Minuten ist der zweite Film leider schon vorbei – und das böse Erwachen folgt bei «Before Midnight». Denn das erwünschte Märchen ist im Dreck gelandet, Streit und Überdruss treten an die Oberfläche, die Welt hat uns alle eingeholt. Trotzdem, nicht alles ist verloren und man verlässt Jesse und Céline mit glühendem Herzen.
Before Sunrise :liquid10:
Before Sunset :liquid10:
Before Midnight :liquid9:

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D'après une histoire vraie
DVD / Regie: Roman Polanski
So fesselnd, beeindruckend und rätselhaft, wie ich die Romanvorlage von Delphine de Vigan fand, so plump, langweilig und ziellos war die Verfilmung von Polanski. Überhastet und ohne klare Form gleitet man von Szene zu Szene, erfreut sich an einer (wie immer) grossartig aufspielenden Eva Green und verliert mit jeder Minute das Interesse an der mit sich hadernden Schriftstellerin stärker. Weder möchten sich die Elemente der Geschichte verbinden, noch wirkt der Film eigenständig. Sehr gut könnte dies ein vergessener Halberotik-Thriller der Neunzigerjahre sein.
:liquid4:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von LivingDead » 21.03.2021, 13:10

Die Before-Trilogie schiebe ich schon geraume Zeit vor mir her, müsste ich dann wohl demnächst auch mal in Angriff nehmen. Ähnliches hatte Guadagnino ja auch für seinen „Call Me by Your Name“ geplant - da wird aber wohl nichts mehr draus werden.
Mit freundlichem Gruß
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 21.03.2021, 13:58

LivingDead hat geschrieben:
21.03.2021, 13:10
Die Before-Trilogie schiebe ich schon geraume Zeit vor mir her, müsste ich dann wohl demnächst auch mal in Angriff nehmen.
Geht mir auch so. Ich werde immer wieder drauf gestoßen und bisher sollte es noch nicht sein. Von Linklater steht aber wohl bei mir als nächstes erstmal Dazed & Confused an, den hab ich zumindest schon mal bereitstehen.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 21.03.2021, 14:53

Einfach machen, die Filme werden auch bestimmt auch zusagen. :D "Dazed & Confused" finde ich auch sehr cool.

Ja, schade betreffend Guadagninos Vorhaben. "Call Me By Your Name" fand ich einen fantastischen Film.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 21.03.2021, 15:24

Bin freilich auch großer "Before" Befürworter. Wohl die einzigen Filme ihrer Art mit solch fesselnder Natürlichkeit. Es könnte jedem von uns passieren, in jedweder Stadt. 2022 sind die 9 Jahre übrigens wieder vorbei. :cool:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 22.03.2021, 07:08

Nicht nur, dass es passieren könnte, man hofft sogar auf solche Begegnungen nach dem Filmkonsum. :wink:
Stimmt, das haben meine Freundin und ich nach dem dritten Teil auch diskutiert. Wobei es für mich persönlich keinen weiteren Teil braucht.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Nachtwaechter » 22.03.2021, 12:32

Da bin ich ja fast schon froh, das ich den 3. seit Jahren hier liegen hab und er seiner Sichtung harrt....
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 22.03.2021, 21:59

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Fantastic Four
Streaming, Disney+ / Regie: Josh Trank
Was für eine Katastrophe. Das Geplänkel hinter den Kulissen war bestimmt aufregender als dieser zusammengeschusterte Unfall. Nach 40 Minuten ordinärer Entstehungsgeschichte entgleist der Film vollends. Die Geschichte besteht nur aus Löchern, die Schauspieler*innen sind komplett fehlbesetzt (auch wenn ich Kate Mara wirklich mag), zu keiner Sekunde wird man emotional mitgerissen. Der überhastete Endkampf ist sowieso für die Tonne. Obwohl die F4 nicht die richtigen Figuren für eine Body-Horror-Vision sind, wäre dieser Ansatz immerhin spannend gewesen. So aber bleibt nichts übrig als falsche Entscheidungen.
:liquid2:

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The Climb
Streaming, Apple+ / Regie: Michael Angelo Covino
Sich von toxischen Freundschaften lösen zu können ist nicht einfach und eventuell sogar der falsche Weg. Das zeigt diese grossartig konzipierte und ausgeführte Geschichte über zwei Typen, die trotz allen Fehltritten nicht voneinander lassen können. Der erste Langfilm von Michael Angelo Covino überzeugt nicht nur mit Aufbau, Dialogen, Besetzung und langen Aufnahmen, auch die musikalischen Sequenzen sind ein herrlicher Einfall und binden «The Climb» in die Geschichte des Indie-Films ein.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Nachtwaechter » 23.03.2021, 07:04

deBohli hat geschrieben:
22.03.2021, 21:59
Fantastic Four
Was für eine Katastrophe. Das Geplänkel hinter den Kulissen war bestimmt aufregender als dieser zusammengeschusterte Unfall. Nach 40 Minuten ordinärer Entstehungsgeschichte entgleist der Film vollends. Die Geschichte besteht nur aus Löchern, die Schauspieler*innen sind komplett fehlbesetzt (auch wenn ich Kate Mara wirklich mag), zu keiner Sekunde wird man emotional mitgerissen. Der überhastete Endkampf ist sowieso für die Tonne. Obwohl die F4 nicht die richtigen Figuren für eine Body-Horror-Vision sind, wäre dieser Ansatz immerhin spannend gewesen. So aber bleibt nichts übrig als falsche Entscheidungen.
:liquid2:

Als ewiger "Ja-Sager" pflichte ihr hier mal mit voller Inbrunst bei, anstatt mich woanders auf irgendwelche toxischen Diskussionen einzulassen. :D Typisches "Internet-Blasen-Verhalten" also... :wink:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 23.03.2021, 07:24

Bei der Bewertung pflichte ich auch bei, aber was das hier angeht
deBohli hat geschrieben:
22.03.2021, 21:59
(auch wenn ich Kate Mara wirklich mag),
kann ich nur sagen: deBohli und ich wären im Reallife wahrscheinlich beste Kumpels, weil wir uns definitiv nie gegenseitig die Frauen wegnehmen würden. :lol:

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 23.03.2021, 07:48

Ginge auch eher mit den Jungs ein Bier trinken. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 23.03.2021, 08:51

Ach, das ist ja schon fast zu schöne diese uneinige Einigkeit hier. :lol: Aber ich kann sehr gut damit leben, Kate als einziger durchs Leben begleiten zu müssen. :wink:

Bleibt nur die Frage: Ist es nach dem "Snyder-Cut" Zeit für einen "Trank-Cut"?
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von SFI » 23.03.2021, 15:47

Glaube ja eher, es hat sich ausgetrankt. :lol:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 23.03.2021, 19:18

Stefan mag den aber. Wenn er eine Petition starten würde, würden sich bestimmt noch drei andere finden...

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 24.03.2021, 06:57

Nach "Chronicle" mochte ich den auch noch, aber das F4-Unglück lag ja nicht nur beim Studio, sondern wohl seinem untragbaren Verhalten. Darum war ich sehr erstaunt, dass er 2020 "Capone" vorgelegt hat.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von freeman » 24.03.2021, 19:21

Der ja auch nix kann...

In diesem Sinne:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 27.03.2021, 10:48

deBohli hat geschrieben:
06.03.2021, 15:59
"Crumbs" könnte etwas für dich sein. Den gibt es als Bonus-Film zur aktuellen BD-Version von "Jesus Shows You The Way To The Highway" von Arrow. Und der sieht mal so richtig durchgeknallt aus. :lol:
Hab ich mir dann gestern auch gleich mal angesehen und das war dann auch inspirierend genug für ne Rezi, die dann bald kommt. Danke für den Tipp, hätte sonst wohl etwas länger gebraucht, um darauf zu kommen.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 27.03.2021, 16:05

Nice, das freut mich und dann bin ich mal sehr auf die Rezi gespannt. :cool:
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 28.03.2021, 13:33

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Undine
DVD / Regie: Christian Petzold
So gut wie Paula Beer und Franz Rogowski spielen, wird die Sage der Undine, platziert in das heutige Berlin, mehr als greifbar und glaubwürdig. Schöne Aufnahmen, die ewige Suche nach der wahren Liebe und die Rhythmen der unterschiedlichen Stadtgebiete formen eine tolle Erzählung. Wie gerne würde ich nun ebenfalls die Ausstellung der Stadtmodelle besuchen.
:liquid8:

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Paradies: Liebe
Streaming, Filmingo / Regie: Ulrich Seidl
Dieser Film ist mehr als unangenehm, weil er ohne falsche Filter vorführt, wie stark kolonialistisch-rassistisches Denken weiterhin in der westlichen Welt verankert ist. Pauschalurlaubsreisen nach Kenia werden von älteren Damen für Sex genutzt, die dort heimische Bevölkerung ausgebeutet. Ein Film, der sehr gut eigene Erfahrungen und Befürchtungen spiegelt, sowie mit schamlosen Aufnahmen schockt.
:liquid8:

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Mothra
BD / Regie: Ishirō Honda
Die Riesenmotte ist knuffig und möchte gar nicht böse sein. Doof nur, entführt ein geld- und machtgeiler Mensch zwei kleine «Feen» aus dem Atombomben-Testgebiet und hält diese bei sich gefangen. Verständlich also, werden dann effektvoll Modellstädte geplättet und Spielzeugpanzer von der Strasse geweht. So gehört es sich schliesslich für einen Kaiju-Film und mit diesem hat Honda sehr vieles richtig gemacht.
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So Long, My Son
DVD / Regie: Wang Xiaoshuai
Wie bereits «Ash Is The Purest White» vermag es auch der ebenfalls drei Stunden andauernde «So Long, My Son» die letzten Jahrzehnte in der chinesischen Geschichte zu rekapitulieren und gesellschaftliche Umwälzungen am Beispiel einer Familie aufzuzeigen. Die nicht chronologische Erzählweise, die geschickten Schnitte, das fesselnde Schauspiel und die realistischen Emotionen machen diesen Film zu einem wichtigen und sehr empfehlenswerten Zeitzeugnis.
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The Million Dollar Hotel
BD / Regie: Wim Wenders
Es will sich nicht alles verbinden und viele Elemente von diesem Film sind zu kurios. Trotzdem, die ursprüngliche Musikvideo-Idee von Bono hat ihren eigenen Zauber und beweist vor allem in den Details viel Liebe. Natürlich war als Fan von U2 eh vom ersten «Takt» an glücklich, mit Beatles-Zitaten und tollen Dialogen wurde ich von Wenders bestens unterhalten. «What’s a Schnabel?»
:liquid8:

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Widows
BD / Regie: Steve McQueen
Bei Steve McQueen hätte ich weniger Thrillerelemente und mehr stechende Gesellschaftskritik erwartet (muss hier Gillian Flynn oder der Vorlage die Schuld zugeschoben werden?), trotzdem ist der Film sehr gelungen. Bis in die letzte Rolle perfekt besetzt, mit grossartigen Aufnahmen und Kameraplatzierungen gesegnet und abseits der konventionellen Genrestandards packend erzählt. Die Verdichtung von TV-Serie zu Kinofilm ist geglückt.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Wallnuss » 28.03.2021, 16:17

deBohli hat geschrieben:
28.03.2021, 13:33
Widows
Bei Steve McQueen hätte ich weniger Thrillerelemente und mehr stechende Gesellschaftskritik erwartet (muss hier Gillian Flynn oder der Vorlage die Schuld zugeschoben werden?), trotzdem ist der Film sehr gelungen. Bis in die letzte Rolle perfekt besetzt, mit grossartigen Aufnahmen und Kameraplatzierungen gesegnet und abseits der konventionellen Genrestandards packend erzählt. Die Verdichtung von TV-Serie zu Kinofilm ist geglückt.
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Den habe ich geliebt und gleich dreimal im Kino gesehen, für mich ist das eines der Meisterwerke der 2010er – und das hätte ich vorab nie erwartet, da ich Steve McQueen sicherlich für einen guten, nie aber für einen herausragenden Regisseur gehalten habe. So kann man sich irren.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 29.03.2021, 07:03

Da ich McQueen von seiner Kunst her kennengelernt habe und "Hunger", "Shame", wie auch "12 Years A Slave" alle verpasst habe, war "Widows" mein Einstiegsfilm. Eventuell war ich deswegen nicht komplett begeistert, da ich mehr künstlerische Freiheit erwartet habe? Seine ersten beiden Filme spielen scheinbar stärker mit ruhigen Aufnahmen, weniger Erklärung und Experimenten.
Momente aber, wie die lange Aufnahme bei der Colin Farell und seine Assistentin im Auto zu seiner Villa fahren, die Dialoge im Off passieren und die Kamera nur die Umgebung erfasst, damit aber Verbindungen, Gegensätze und Abhängigkeiten offenbart, sind genial.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Wallnuss » 29.03.2021, 11:34

Ja, seine ersten Filme sind roher, künstlerischer. Ist eine Zugangsfrage.

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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von deBohli » 04.04.2021, 11:09

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Certain Women
BD / Regie: Kelly Richardson
Langsames Kino hat seinen eigenen Zauber, ruhige Szenen mit kleinen Verschiebungen in Stimmung und Mimik laden zum Schwelgen ein. Richardson tappt bei dem Film nicht in die Falle, die drei Frauen in den episodisch erzählen Momenten krampfhaft zusammenführen zu wollen. Sondern zeigt das Leben in den abgelegenen Teilen Amerikas ohne falsche Romantik. Wunderbar gespielt, schön gefilmt.
:liquid8:

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Viy
BD / Regie: Georgiy Kropachyov, Konstantin Ershov
Da misshandelt man eine Hexe und muss als Strafe drei Nächte neben ihrem toten Körper in der Kirche verbringen. Ja, als Lernender in der Kirche hat man es nicht einfach. Dafür gibt es im Film nicht nur herrliche Trick-Sequenzen, sondern ein märchenhaftes Gefühl und am Schluss eine halbe Armee von Stop-Motion-Dämonen. Ein Klassiker des russischen Kinos, der heute noch gut funktioniert.
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Relic
BD / Regie: Natalie Erika James
Ein typischer Vertreter des modernen Horrorfilms, der sich erzähltechnisch ähnlich wie The Babadook und Hereditary verhält. Psychologische Probleme werden mit den Genremechanismen aufgezeigt, verstärkt. Das gelingt sehr gut, auch wenn der Beginn zurückhaltend gestaltet ist, das Ende dafür umso dunkler. Emily Mortimer und Bella Heathcote überzeugen in ihren Rollen.
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Soft Top Hard Shoulder
BD / Regie: Stefan Schwartz
Von A nach B, oder besser gesagt, von London nach Glasgow – in einem alten Cabriolet. Peter Capaldi darf sich, begleitet von Chris Reas Musik und einer leichtfüssigen Komödienstimmung mit Hoffnungen, Lügen und Geldproblemen herumschlagen. Das ist nichts Weltbewegendes, aber unterhält ganz gut. Schade nur, wirkt das Bild der restaurierten BluRay stark weichgezeichnet.
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Inside Out
Streaming, Disney+ / Regie: Pete Docter, Ronnie Del Carmen
Sind meine Erwartungen an Pixar und Disney immer zu hoch? Oder sind all die verteilten Lorbeeren voreilig? Klar, die Darstellung der Gefühle, welche uns Menschen aus unseren Köpfen heraus steuern, ist toll gemacht und wie immer perfekt animiert. Trotzdem schleichen sich viele Stereotypen in den Film und einiges will nicht ganz aufgehen. Zu fest hält die Produktion an den typischen Konventionen fest.
:liquid6:

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Watership Down
DVD / Regie: Martin Rosen
Erstaunlich, wie schnell diese Animationsverfilmung von einer Situation zur andern springt, die Buchvorlage zu komprimieren versucht. Das gelingt zum grössten Teil ziemlich gut, auch wenn wenig Raum zum Atmen gelassen wird. Natürlich ist der Film keinesfalls für Kinder geeignet, die FSK-6-Freigabe ist fast ein Hohn, das Geschehen brutal und eine mehr als weiterhin gültige Parabel auf das menschlich-destruktive Verhalten. Ein wunderbarer Spass zu Ostern halt.
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Re: Filmtagebuch: deBohli

Beitrag von Vince » 04.04.2021, 11:23

Mensch, musst du mir mit solchen Sachen wie "Viy" immer kommen, wenn die anscheinend oop sind? ;)

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