She Dies Tomorrow
BD / Regie: Amy Seimetz
Wenn als Produzenten Aaron Moorhead und Justin Benson genannt werden, verwundert es nicht, dass der Film mit unserer Wahrnehmung von Leben, Zeit und Tod spielt. «She Dies Tomorrow» ist zugleich eine Studie über Depression, eine stellenweise zähe und nie offensichtliche Erzählung.
Amy Seimetz hat nicht nur eigene Erfahrungen verarbeitet, sondern offeriert einen direkten Einblick in das Innenleben ihrer Figuren. Welches sind die zentralen Werte des Lebens? Erst das scheinbare Ende lässt uns den Kern entdecken.
Computer Chess
BD / Regie: Andrew Bujalski
2013 gedreht, sieht «Computer Chess» wie eine Dokumentation aus den Achtzigjahren aus. Flimmernde Aufnahmen in Schwarzweiss, halbgare Texteinblendungen aus dem PC und eine mit Humor gespickte Annäherung ans Thema der KI.
Während sich Nerds an ihren Kisten abmühen, Schachspiele zu gewinnen, sucht der Film die Menschlichkeit und wahren Werte des Daseins. Faszinierend Lo-Fi und Indie.
Forbrydelsens element
DVD / Regie: Lars von Trier
Ein Film Noir-Versuch, eine Geschichte über ein Verbrechen, inszeniert als Reihe von Diebstählen an den eigenen Vorbildern. «The Element Of Crime» zeigt als Debüt in erster Linie, welche Namen Lars von Trier dazu bewogen haben, Filme zu drehen. Einflüsse aus Frankreich, der Sowjetunion und Amerika kommen in dieser Produktion zusammen, alles wird in einen orangen Farbton getaucht.
Inhaltlich ist der Film starr und der Film zeigt bereits viel von der zukünftigen Egomanie des Regisseurs, ist zugleich als Spurensuche und Zitatenreigen interessant.
6
Le frisson des vampires
BD / Regie: Jean Rollin
Wie kann es sein, dass mich «Le frisson des vampires» nach der Sichtung stärker gepackt hat als währenddessen? Liegt darin der Zauber von Jean Rollin? Denn die einzelnen Aspekte und Elemente des Filmes sind lose betrachtet überholt, mittelmässig gemacht und sexistisch.
Nackte Haut, Vampire, ein bunt beleuchtetes Schloss und schludriges Spiel gibt es zu bestaunen; Jacques Robiolles aus den «Antoine Doinel»-Filmen von François Truffaut tritt als Blutsauger auf. Dank den überraschenden Momenten, der psychedelischen Rockmusik als Soundtrack und dem Flair lässt sich die Faszination aber nicht leugnen.
6
The Whaler Boy
Stream, Filmingo / Regie: Philipp Yuryev
Der Traum von Freiheit, Liebe und Glück: In «The Whaler Boy» versucht ein junger Fischer aus einem Dorf in Russland seine Zukunft neu auszurichten. Das Ziel ist das Leben in den USA, in den Armen einer schönen Blondine.
Tragisch und trist die Situation, mitfühlend der Film von Philipp Yuryev. Zurückhaltend und langsam kommt die Erzählung daher, in traumähnlich gefilmten Sequenzen und mit ausdrucksreichen Gesichtern.
Espíritu sagrado
BD / Regie: Chema García Ibarra
Wenn der Kult um göttliche Mächte und Ausserirdische auf trockene und realistische Weise gezeigt wird, schwankt man als Zuschauer zwischen dem Glauben um Fantastik und der geistigen Gesundheit der Protagonist:innen.
«Espíritu sagrado» von Chema García Ibarra ist Drama, absurdes Krimi-Abenteuer und auf dem Boden gebliebene Betrachtung solcher Handlungen. Die Aufnahmen, die Musik und das Spiel der Laien-Darsteller:innen verbindet sich geschickt mit der Prise Science-Fiction.
Hiruko The Goblin
BD / Regie: Shinya Tsukamoto
Nach dem Metall gewordenen Menschen liess Shinya Tsukamoto Dämonen auf die Erde los. Der Film «Hiruko The Goblin» bringt alte Legenden mit vielen, verrückten Einfällen zusammen. Hyperaktive Sequenzen und Stop-Motion-Monster gibt es zu bestaunen, die klein gehaltene Geschichte lässt nie Langeweile aufkommen.
Der Film überzeugt vor allem optisch und die liebevoll gemachten Effekte sind ein Schmankerl.
Transit
Stream, Filmbulletin / Regie: Christian Petzold
Ein Film über den zweiten Weltkrieg, angesiedelt im 21. Jahrhundert? Was ungewohnt klingt, funktioniert bei «Transit» hervorragend. Christian Petzold hat mit der freien Romanverfilmung (Anna Seghers, 1944) einen weiten Bogen gespannt und lässt die immer brillant spielenden Franz Rogowski und Paula Beer die Geschichte um Flucht im heutigen Marseille durchleben.
Viele Szenen wirken frei, man lässt sich durch die Stadt treiben und sucht die Rettung in der Stille. Die warmen Aufnahmen und die zurückhaltende Tonspur lassen trotz der schwierigen, politisch weiterhin relevanten Thematik eine entspannte Grundstimmung entstehen, die Vermengung der zwei Zeitebenen ist sehr gelungen.
Dass die Entscheidungen der Figuren gegen Schluss wirr werden und die Realität flüchtig, funktioniert ebenfalls. «Transit» wird aus der Perspektive eines ausstehenden Erzählers an die Zuschauer:innen gebracht und relativiert die anachronistischen Elemente durch die persönliche Vorstellungskraft.
Joyland
Kino / Regie: Saim Sadiq
Transpersonen und queere Liebe in Pakistan? Das kann nicht gut gehen, was auch «Joyland», trotz des positiv konnotierten Titels zeigt. Der Film von Saim Sadiq untersucht Existenzen abseits der heteronormativen Gewohnheiten und hat eine packende Geschichte geschaffen, die das Patriarchat verurteilt.
Die wunderbare Kameraarbeit (Licht, Farben, Format), die tolle Musik und das sehr gut spielende Ensemble lassen die Erzählung berührend nachwirken, die herrschenden Strukturen werden demontiert.
